Mallersdorfer Schwestern - Kloster Mallersdorf

Archiv 2019

Ausstellung im Kloster und Vortrag über geistliche Frauengemeinschaften
150 Jahre Schwestern in Mallersdorf, dieses Jubiläum kann heuer das Kloster Mallersdorf feiern. In diesem Zusammenhang wurde im Kloster eine Ausstellung präsentiert zum Thema: „Kinder - Küche – Krankenzimmer. Ordensschwestern auf dem Land“, die im Jahr 2014 vom Freilandmuseum Neusath-Perschen und der Theologischen Fakultät der Universität Regensburg erstellt wurde. Federführend war hier Dr. Johann Kirchinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte. Dr. Kirchinger hielt zur Ausstellung auch einen Vortrag für die Schwestern und alle Interessierten. In diesem referierte er über seine Forschungen zu geistlichen Frauengemeinschaften im 19. und 20 Jahrhundert und welche Rolle die Klöster gespielt haben, um die Frauen in ländlicher Gegend zu guten Hausfrauen zu erziehen und ihnen Erkenntnisse über Hygiene und gesunde Ernährung beizubringen. Darüber war zusätzlich in der Ausstellung höchst Interessantes zu erfahren.

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Dr. Kirchinger meinte, als Außenstehender erkenne man nur schemenhaft was es bedeute, in einer geistlichen Gemeinschaft zu leben. Er könne deshalb auch nur als Historiker und Laie die Leistungen dieser Frauengemeinschaften für die Gesellschaft darstellen. Ab Mitte des 20. Jahrhundert bis nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich über die katholischen Gebiete Bayerns ein dichtes Netz von Niederlassungen religiöser Frauengemeinschaften gelegt. Sie monopolisierten nahezu die Bereiche Kinderbetreuung, hauswirtschaftliche Ausbildung und Krankenpflege von Mädchen und jungen Frauen. Der politisch motivierte Ausbau des Sozialstaats in dieser Zeit im ländlichen Raum wäre nach Dr. Kirchinger ohne die karitativ und pädagogisch tätigen weiblichen Kongregationen unmöglich gewesen. Nach dem Untergang der Orden in der Säkularisation, begann ein neuer Frühling geistlicher Gemeinschaften, vor allem Frauengemeinschaften. Als kennzeichnend für diese führte der Redner eine spezifische Ausbildung der Schwestern, das Hereinnehmen der zu Betreuenden in ihre Häuser und den Verzicht auf die Klausur an. Für die weibliche Bevölkerung vorwiegend im ländlichen Raum war der Eintritt in eine Ordensgemeinschaft eine ernstzunehmende Alternative zur Ehe. Für die Frauen, die den Ordensberuf wählten, haben sich Handlungsmöglichkeiten eröffnet, die angesichts der bestehenden beruflichen und gesellschaftlichen Beschränkungen für Frauen außerhalb nicht galten. Auf sie wartete ein Leben in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, eine Existenz ohne materielle Nöte, Absicherung bei Krankheit und Alter und ein geregeltes Arbeitsleben und sogar Karrieremöglichkeiten. Damit sah der Referent bestätigt, wie sehr die Kongregationen einerseits der christlichen Tradition entsprachen, andererseits aber für die Modernisierung weiblicher Lebensläufe bedeutsam waren und weibliche Handlungsspielräume erweiterten. Wesentliche Verdienste der Frauengemeinschaften waren die Errichtung von Kleinkinderbewahranstalten vor allem in ländlichen Raum und der Beitrag zur Modernisierung der Krankenpflege, die mit der Zeit ein spezifisch weibliches Antlitz erhielt, was vorher nicht der Fall war. Weibliche Krankenpflegorden waren im katholischen Deutschland die ersten, die Krankenpflegeschulen errichteten. So wurde in Mallersdorf 1920 die erste dieser Schulen in Bayern errichtet. 

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Kurzweilig und spannend waren die Ausführungen und gerne wurde geschmunzelt über humorvolle Anmerkungen des Referenten, der sich nach dem Vortrag noch gerne den Fragen der Zuhörerschaft stellte. Eine Diskussionen mit den Schwestern, die mit Interesse die Ausführungen verfolgt hatten, machte abschließen deutlich: trotz vieler Vorteile des klösterlichen Lebens in Bezug auf Beruf und Absicherung sei nach wie vor die Nachfolge Jesu und ein tiefer Glaube maßgeblich für eine Frau, sich für ein Leben als Ordensschwester zu entscheiden.

150 Jahre Arme Franziskanerinnen_3Abschließend bedankte sich die Ordensleitung beim Referenten mit einem "Schmankerlkorb" für seine interessanten Ausführungen.

 

Schon mehrere Male nutze Verena das Angebot „Kloster auf Zeit“ und verbrachte einige Tage bei uns im Kloster Mallersdorf, wie auch vor kurzem. Für sie sind es Tage, an denen sie Abstand gewinnen kann vom Alltag. Die Zeiten der Stille, der Teilnahme an den Gebeten wie auch des Mitarbeitens im Kloster geben ihr die Möglichkeit abzuschalten, um dann wieder gestärkt und mit neuer Energie in den Alltag zurückzukehren. „Die letzten Male als ich da war, haben mich geprägt und begeistert“, schreibt sie. Und: „Ich freue mich euch wieder zu sehen und auf die Arbeit in der Klosterbäckerei“.

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150_Jahre Arme Franziskanerinnen in MallersdorfDer 18. und der 19. Oktober 2019 standen ganz im Zeichen des Gedenkens an den Umzug der Armen Franziskanerinnen von der Hl. Familie von Pirmasens nach Mallersdorf vor 150 Jahren. Eingeengt zwischen Häuserzeilen hatte die rasch wachsende junge Gemeinschaft keine Möglichkeiten der Erweiterung. So suchte sie eine neue Heimat und fand sie in Mallersdorf in der ehemaligen Benediktinerabtei. 150 Jahre wechselvolle Geschichte mit glücklichen und schweren Zeiten liegen zurück. Mit den Feierlichkeiten wollte die Ordensgemeinschaft in dankbarer Weise zurückschauen auf diese Zeit.

Eröffnet wurden am Abend des 18. Oktobers die Feierlichkeiten mit einem Stationenweg und einer Lichterprozession vom Marienbrunnen in der Hofmark hinauf zur Pfarrkirche St. Johannes. Bewusst wurde als Ausgangspunkt der Marienbrunnen gewählt, ist doch dieser seit 115 Jahren Wahrzeichen für ein einträchtiges Miteinander zwischen Gemeinde und Kloster und zugleich Mahner, der Einheit zu dienen.

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Im Grußwort der Generaloberin, Sr. M. Jakobe Schmid, und im Stationenweg wurden die Beweggründe beleuchtet, die zu dem Umzug nach Mallersdorf führten. Mitglieder des Labertaler Blasorchesters umrahmten den Stationenweg musikalisch. Viele Besucher weilten über die anschließende Komplett hinaus in der Pfarrkirche, um mit den Schwestern beim Gebet durch die Nacht, bei dem verschiedene Gruppen die Gestaltung übernommen hatten, Gott für seine Führung und seinen spürbaren Schutz und Segen während der vergangenen 150 Jahre zu danken.

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Im Festgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer als Hauptzelebranten am Samstag, 19. Oktober, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten, stand erneut der Dank im Vordergrund, aber auch die Bitte um den Segen Gottes für einen guten Weg in die Zukunft. In seiner Festpredigt führte der Bischof aus, dass es ein denkwürdiges Ereignis sei, dass die Schwestern vor 150 Jahren aus Pirmasens ins Labertal gekommen sind. Das ganze Bistum habe dadurch „Leuchttürme der Menschlichkeit bekommen“. Die Mallersdorfer Schwestern nannte er weiter ein „Wahrzeichen kirchlichen Lebens und sozialen Wirkens“. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes wirkten der Schwesternchor, der Kirchenchor der Pfarrgemeinde und die Mitglieder des Labertaler Blasorchesters zusammen. 

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Beim anschließenden einfachen Mahl aus der Klosterküche – es bestand aus Gulaschsuppe, Klosterbrot und Getränken aus der Klosterbrauerei – bestand die Möglichkeit im lockeren, ungezwungenen Miteinander ins Gespräch zu kommen.

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Ein besonderes Festtagsgeschenk war das „Glückwunschkonzert“ der Schulen aus der Marktgemeinde. Gerne griffen die Verantwortlichen der Schulen die Idee zu einem Konzert auf und sagten die Unterstützung zu. Die beteiligten Schulen – St. Benediktschule, St. Martin Grund- und Mittelschule, Nardini-Realschule und Burkhartgymnasium – sorgten mit ihren Beiträgen für einen kurzweiligen Nachmittag. Ein buntes Programm entstand. Mit großer Begeisterung vorgetragene Liedbeiträge waren ebenso dabei wie Bläserklänge, Bodypercussion und Streichquartett. Die Musikbeiträge wurden aufgelockert mit einem kleinen Sktech oder Powerpointeinspielungen zur Geschichte des Klosters.

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